Yiddish is dead? Long live Yiddish! schreiben Jewrhythmics im Manifest zu ihrem Debütalbum. Die vermeintlich tote Sprache erlebt seit Ende des 20.Jahrhunderts vor allem außerhalb Israels wieder eine erstaunliche Renaissance. Ähnlich ergeht es der Disco-Musik jenem leicht tanzbaren Genre, dem schon so viele Male das Ende vorausgesagt wurde. Doch es erweist sich auch heute noch als extrem widerstandsfähig und wird in immer neuen Metamorphosen wiedererweckt.
Jewrhythmics Musik ist eine aufregende Mixtur der beiden so oft totgesagten Gattungen und sprudelt dabei voller, neu eingehauchter Lebensenergie. Nur noch selten gibt es in der aktuellen Musik Momente des bisher Ungehörten. Und nur noch selten gibt es Projekte, die die geläufigen Pfade verlassen, um musikalisches Neuland zu betreten. Das Projekt Jewrhythmics wagt solch einen Schritt auf ungewohntes Terrain, indem es verbindet, was bisher nicht verbunden wurde: Jiddische Klassiker eingebettet in Synthie-Sounds der 80er-Disco-Ära.
Dabei arbeiten Jewrhythmics auf der Disco-Achse Moskau/Tel Aviv. Die eine Stadt, in der 70/80er-Sounds von den Radiosendern rund um die Uhr ausgestrahlt werden, triff auf jene andere, in der sich das mittelöstliche Zentrum der Techno-Clubkultur befindet. Doch Jewrhythmics reproduzieren den Disco-Sound nicht digital, sondern im Sinne einer Reminiszenz an die frühe Disco-Ära mit einer Vielzahl von analogen Synthezisern und klassischen Instrumenten (Gitarren, Akkordeon, Klarinette und mehr). Über die so entstehenden sphärischen Klänge schwebt der ursprüngliche und unverfälschte jiddische Gesang wie das wellenförmige Echo einer vergangenen Epoche.
Die spannende Discoformation führt auf ihrem Debütalbum nicht nur den Dick-Dale-Klassiker Misirlou nach Hause, sondern schafft insgesamt neun zeitlose Stücke voller synthetischer Klänge und eingängiger Melodien, die eine außergewöhnliche Melange ohne Pathos bilden neue, so noch nicht gehörte Sounds sowohl für jüdische Familienfeste als auch für die angesagten Clubs in der westlichen Hemisphäre.