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AHILEA Cafe Svetlana

Essay Recordings hat ein Herz fuer die aktuelle oesterreichische Szene! Nach der sensationellen Shantel-Produktion „Binder & Krieglstein: Alles verloren’ praesentieren wir wieder extrem heisse Ware. Nicht vergessen: Das Tor zum Balkan ist Wien. Was liegt da naeher, als den Mastermind der Wiener Neo-Elektro-Balkan-Emigranten-Szene fuer das fuehrende Label dieses Genre zu verpflichten? Es ist mal wieder an der Zeit, ein Original an den Start zu bringen. Der mazedonische Produzent und DJ Ahilea hat fuer diese CD ein phantastisches Musiker-Ensemble zusammengestellt, um mit ihnen einen wilden Ritt den Autoput hinunter zu veranstalten. Legt den Sicherheitsgurt an und bereitet euch auf eine neue visionaere Sicht auf die Musik des Balkans vor. Der Mann ist so heiss, dass er jeden Tag Anfragen von DJs aus aller Welt bekommt, die ihn um neue Tracks bitten. Ahilea hat sich Zeit gelassen – wo andere huddelten, hat er seine Tracks ausgearbeitet, hat Herz und Hirn ganz in Ruhe die virtuelle Juke-Box des Cafe Svetlana bestuecken lassen. UEberhaupt: das Cafe Svetlana – ein mythischer Ort, der schon vom grossen anarchistischen Dichter und Protagonisten der Muenchner Boheme Erich Muehsam besucht wurde. Heute liegt es ganz versteckt in einer kleinen Wiener Strasse – es wird nur von den Menschen gefunden, die die richtige Melodie summend an der richtigen Strassenecke abbiegen… Und dann tut sich eine neue Welt auf. Shantel hat es eines Tages gefunden:
„Ich bin in den letzten Jahren ganz schoen viel herumgekommen und habe auch viele Musiker, Produzenten und DJs kennen gelernt. Ahilea aus Wien ist ein wunderbarer Schlawiner*, der sich mit Stil und grossem Sachverstand an die Sache macht. Die Musik, die er uns vorstellt, hat er mit der Muttermilch aufgesaugt. Er zaehlt zu den besten meiner Saufkumpanen. Ich freue mich, dass er auf Essay Recordings sein internationales Debuet veroeffentlicht!’ Shantel
*Erich Muehsam ueber das Cafe Svetlana in Wien-Ottakring: „Hier verkehrten massenhaft Maler, Schriftsteller und Genieanwaerter jeder Art, auch viele auslaendische Kuenstler, Russen, Ungarn und Balkanslawen, kurz das, was der Eingeborene in dem Sammelnamen ‘Schlawiner’ zusammenfasst.’ (Vossische Zeitung 5.4.1928, S. 9)
Ahileas Biografie: Was fuer eine Lebensgeschichte! Ungewoehnlich, aber eigentlich auch ganz Balkan-typisch. Biografien werden hier oft nicht linear geschrieben, die Verwerfungen der Lebensgeschichten fuehren die Menschen von Land zu Land, wo sie Arbeit oder Zuflucht suchen. Landesgrenzen waren ja im osmanischen Reich quasi nicht existent. Ahilea Durcovski wurde 1965 in der damaligen Tschechoslowakei nahe der polnischen Grenze als Staatenloser geboren. Seine Eltern waren waehrend des dem zweiten Weltkrieg nachfolgenden Buergerkriegs mit einem Kindertreck in Sicherheit gebracht worden, denn Ahileas Grosseltern waren (linke) Partisanen. Die Eltern wiederum lernten sich im Kinderheim kennen und lieben und heirateten. Der wilde ethnische Mix des Balkans schlaegt auch in dieser Familie durch: Sie sind Walachen/Aromunen und Mazedonier/Slawen. 1974 verliess die kleine Familie die Tschechoslowakei und siedelte nach Debar um, einer kleinen Stadt an der albanischen Grenze. Hier waechst Ahilea in einer multiethnischen Gesellschaft auf, studiert an der Hochschule von Skopje Tiefbau, schliesst ab und beginnt sofort ein weiteres Studium: Kunstgeschichte und Archaeologie. Den Soundtrack seiner Studienzeit bestimmten die Saenger und Bands der Novi Talas (der Neuen Welle): EKV, Idoli, Haustor, Electricni Orgazam, Sarlo Akrobata. Dann: Umzug nach Ohrid, der malerischen uralten Stadt am beruehmten Ohridsee.
1987 kommt der naechste Bruch: Emigration nach Graz (Steiermark). Ahilea macht alle Jobs, die er bekommen kann (Tellerwaescher, Prospektverteiler…) bis er die deutsche Sprache beherrscht. Er wird DJ und legt Chicago House auf, schliesst eine Ausbildung als Tontechniker ab und arbeitet seit nunmehr 18 Jahren als Toningenieur in verschiedenen Clubs und fuer Bands wie die „Tschuschen Kapelle’. Waehrend eines Gigs lernt er Zoran Tomasev kennen, Toningenieur auch er. Sie werden Freunde, gehen zu „Balkanveranstaltungen’, wundern sich darueber, was fuer krudes Zeug die DJs dort auflegen. Und beschliessen, das einzig Richtige: Lasst es uns selber macher/Let’s do it on our own! Sie gruenden „Export Import Tunes’ als kuenstlerische Plattform. Ihre „SchliwoBeatz’-Naechte werden schnell zur Marke in Wien. Nicht zuletzt auch wegen ihres Einsatzes von Visuals (z.B. Ausschnitte legendaerer Filme der 70/80er Jahre aus Ex-Jugoslawien).
Ahilea hatte schon frueher elektronische Musik produziert, vor allem Stile, die gerne mit „funky, groovy, jazzy’ beschrieben werden. Sein Kollege Zoran bringt ihn endlich auf die richtige Spur: „He, du kennst die Musik des Balkans. Warum versuchst du nicht mal was Eigenes?!’ Gesagt, getan. Seinen ersten Tune „Out of Town’ schickt er an drei Kollegen: Shantel, Robert Soko, Penny Metal. Ihre Reaktionen sind euphorisch und bestaerken ihn seinen ganz eigenen Weg zu gehen.
Dank seiner Arbeit als Front-of-House-Engineer und dank der „SchliwoBeatz’-Naechte lernt Ahilea die Crème der Wiener Balkan-Szene kennen, Musiker, die als Solisten arbeiten, in angesehenen Bands spielen oder sogar bei den Philharmonikern.
Der musikalische Kosmos des Ahilea D. Seine Omas sangen ihm griechische, walachische und mazedonische Lieder und Volksmusik vor. Seine Eltern waren eher Rock’n’Roller. Er badete seine Ohren in der lebendigen Popszene Jugoslawiens, einer Musik, die im gesamten Ostblock populaer war und fuer ihre revolutionaeren neuen Wege, Kreativitaet und den extremen Aktualitaetsbezug geschaetzt wurde. Tatsaechlich gaengelte der jugoslawische Staat seine junge Musikszene kaum. Am tiefsten fuehlt Ahilea sich – wie auch sein Kollege Shantel – der traditionellen Musik des Balkan verbunden und versucht, traditionelle Melodie- und Rhythmus-Strukturen mit seiner ganz eigenen elektronischen Lo-Fi-AEsthetik zu verschmelzen. Ein Kreativitaets-foerdernder Fundus sind besonders die Stuecke, die bei Hochzeiten gespielt werden. Dabei bleibt Ahilea fuer verschiedenste zeitgenoessische, urbane Stile offen, von Funk ueber Reggae, Freestyle, Electronica, Broken Electronics bis hin zu gitarrenlastigem Indie-Rock.

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